Kathrin, erzähl‘ doch mal… #1 | Wie stehst du eigentlich zu LUSH?

echtkathrin
Werbung/Verlinkung

Es gibt Fragen, die tauchen immer wieder auf. Meist auf Instagram. In den Privatnachrichten. Ich beantworte sie gerne. Einmal, fünfmal, hundertmal. Leider erreicht die Antwort dort nämlich immer nur die*den Fragende*n. Dabei könnte sie auch für Andere interessant sein.

In meiner neuen Reihe „Kathrin, erzähl‘ doch mal…“ werde ich mich einigen von ihnen ab sofort auf dem Blog widmen. So haben alle was davon und ich kann meine Ressourcen etwas besser nutzen. Los geht’s.

Kathrin, erzähl‘ doch mal: Was hälst du eigentlich von LUSH?

Gleich vorweg: Es ist überhaupt nichts verwerflich daran, Produkte von LUSH zu verwenden. Man muss nur vorher wissen, worauf man sich einlässt. (Dieser Artikel ist übrigens nicht gesponsert, auch wenn er das durchaus sein könnte. LUSH freut sich bestimmt darüber, hat allerdings keine Ahnung, dass ich das hier schreibe.)

Im Netz hält sich hartnäckig die Mär, es würde sich bei LUSH um Naturkosmetik handeln. Das stimmt nicht, wird so auch nicht kommuniziert. Aber das Gerücht hält sich. Wer sich dann blindlings auf solche Aussagen verlässt, wird nach dem Kauf zuhause vielleicht ein böses Erwachen erleben.

Also zum Mitschreiben: LUSH ist keine Naturkosmetik. War es auch nie.

Dafür ist die Marke tierversuchsfrei, setzt verstärkt auf Recycling und stellt viele Produkte selbstkonservierend, also ohne Einsatz von zusätzlichen, synthetischen Konservierern her. Da hilft es natürlich, dass ein Großteil der Produkte in fester Form daher kommt und einige Inhaltsstoffe wie Tocopherol, Alkohole und einige ätherische Öle den Konservierer gleich mitbringen.

Die meisten Produkte sind vegan. Die die es nicht sind, zumindest vegetarisch. Zudem setzt LUSH auf synthetisch hergestelltes – aber abbaubares – Mica.

Das Unternehmen wirbt damit seine Produkte von Hand herzustellen und abzufüllen. Da schwingt ein cozy Küchen-Charme mit. Wie bei Muttern. Nur viel schriller. Zudem gibt das Unternehmen durch die Charity Pots und Fund Projekte einiges zurück. Über LUSHs Ansätze in Sachen Fair Trade könnt ihr hier und hier lesen.

LUSHs größtes Pfund ist aber höchstwahrscheinlich die Verpackungsfreiheit. Da sind sie wirklich Vorreiter gewesen und haben 2018 sogar den ersten LUSH Naked Shop in Berlin eröffnet.

Klingt ja erstmal alles recht famos. Die obigen Infos stammen allesamt von der LUSH-eigenen Homepage. Was dort steht muss ich erstmal glauben. Wer tiefer in die Materie eintauchen möchte, liest sich bitte selbst noch einmal ein.

Warum denken manche Menschen, LUSH sei Naturkosmetik?

Das Unternehmen wirbt prominent mit NATÜRLICHEN Inhaltsstoffen. Von einigen Verbraucher*innen werden diese gerne mit ORGANISCH ZERTIFIZIERTEN Inhaltsstoffen gleichgesetzt. „Natürlich“ bedeutet jedoch schlichtweg, dass der Rohstoff genau so in der Natur vorkommt. Über die Qualität sagt diese Bezeichnung jedoch nichts aus.

Des Weiteren verwendet LUSH unter anderem ätherische Öle. Auch diese gelten für viele Kund*innen als klares Indiz für ein naturkosmetisches Produkt.

Worte wie „Nachhaltigkeit“ und „Zero Waste“ sind bei LUSH seit Jahren starke Werbemittel. Auch das suggeriert mehr Natürlichkeit.

Und warum sind sie’s nicht?

Unter anderem verwendet LUSH neben ätherischen Ölen auch synthetisch hergestellte Duftstoffe. Anders wären diese intensiven und langanhaltenden Düfte auch kaum zu erreichen. Ebenso verwenden sie – ganz offensichtlich – auch synthetische Farbstoffe. Welcher Rohstoff welchen Ursprung ist, kann in den INCI-Listen leicht nachvollzogen werden. 
(Im Übrigens gilt ein Stoff schon dann als synthetisch, wenn er – beispielsweise ein ätherisches Öl – in seine ureigenen Bestandteile zerlegt und neu zusammengesetzt oder etwas herausgenommen wird. Das nur für den Hinterkopf. Synthetisch bedeutet nicht unbedingt, dass ein Stoff völlig naturfern ist.)

Zudem verwendet LUSH immer noch einige Inhaltsstoffe, die in der Naturkosmetik gar nicht zugelassen wären, wie beispielsweise Sodium Lauryl Sulfate (SLS), die veraltete, noch reizendere Schwester von Sodium Laureth Sulfate (SLES).

Reden wir mal über Seife

Ein weiter wichtiger Punkt, der in meinen Augen nicht oft genug kommuniziert werden kann: Die Seifen von LUSH sind keine klassischen Seifen. Klassische Seife wird gesiedet. Hierbei werden – meist pflanzliche – Fette mit einer Natronlauge gekocht. Dieser Prozess ist sehr aufwendig, verlangt einiges an Chemie-Skills und sorgt vor allem dafür, dass die Seife a) lange reifen muss und b) dass sie nach dem Ausreifen nicht mehr so einfach geschnitten werden kann. Sie ist schlichtweg zu hart.

LUSH verkauft Gießseifen. Deren Herstellung ist deutlich einfacher und kann selbst zu Hause easy absolviert werden. Die Rezepturen der LUSH Seifen sind sicherlich etwas komplexer als die aus dem DIY-Baukasten. Aber Glycerinmasse für Gießseifen gibt es bereits fertig zu kaufen. Sie muss nur noch geschmolzen, beduftet, gefärbt und wieder in Form gebracht werden. Ihr Vorteil: Sie muss nicht reifen und kann später  im Laden ganz einfach vom Block geschnitten werden. Was eben auch bei LUSH im Laden passiert.

Fazit

Dies ist in meinen Augen alles nicht weiter schlimm und kein Grund LUSH ab sofort zu boykottieren. Man muss sich dieser Dinge nur dessen bewusst sein, seine eigenen Erwartungen hinterfragen und vor allem LESEN.

LUSH behauptet von sich selbst nicht Naturkosmetik zu sein. Das steht so auch nirgends geschrieben. Aber sie spielen mit ihrer Zero Waste-Philosophie und der Betonung der „natürlichen Inhaltsstoffe“ sicherlich ein wenig mit diesem Image.

Wer Naturkosmetik – womöglich auch noch reizarm – erwartet, ist bei LUSH falsch. Wer jedoch auf der Suche nach vegetarisch-veganer Pflege ist, die ohne Tierversuche produziert wird und ohne Verpackung auskommt, kann hier durchaus fündig werden.

You Might Also Like

2 Comments

  • Reply
    wumble
    24. Januar 2019 at 21:34

    Danke für diese gute Zusammenfassung. Kaufe dort auch hauptsächlich wegen dem Zero Waste Gedanken und weil es einfach Spaß macht die Läden zu betreten 😄

    • Reply
      Miri
      24. Januar 2019 at 22:05

      Das geht mir ähnlich. Wobei es langsam immer mehr tolle Hersteller im gleichen Segment gibt, die aber Naturkosmetik Made in Germany sind 😊 diese finde und teste ich aktuell ausgiebig. Mir gefällt die Qualität von Lush, aber die heimischen Hersteller können sich auch sehen lassen.

    Leave a Reply

    Dieses Formular speichert Name, E-Mail und Inhalt, damit wir den Überblick über auf dieser Webseite veröffentlichte Kommentare behalten. Für detaillierte Informationen, wo, wie und warum wir deine Daten speichern, wirf bitte einen Blick in die Datenschutzerklärung.