No MakeUp vs. No MakeUp Look | What No MakeUp really looks like.

Woman without MakeUp vs No MakeUp Look

Beide Bilder sind unbearbeitet. Das war mir die Sache wert.
Take one for the team. Auch wenn es ’ne Stunde nach dem Aufstehen ist. 

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Klar würde ich gerne morgens aufwachen und aussehen wie ein Victoria’s Secret Model. Tu‘ ich aber nicht. Und ihr vermutlich auch nicht. Irgendwie beruhigend zu wissen. Wahrscheinlich sehen selbst Victoria’s Secret Models morgens nicht aus wie Victoria’s Secret Models. 

Es gibt aber anscheinend noch erschreckend viele Menschen, die das denken. Und für normal halten. Immer wieder stolpere ich im Netz über diese Sorte Mensch – sorry, meistens männlich* und ohne tiefere MakeUp-Kenntnisse – die der Meinung ist, Frauen* sollten „nicht so viel MakeUp tragen“. Sie hätten es gerne „natürlich“. Schöne Frauen* „hätten das ja sowieso nicht nötig“… Wie so ein Victoria’s Secret Model eben. Wenn sie dann aber mal eine tatsächlich ungeschminkte Frau* zu Gesicht bekommen, können sie mit soviel „Realness“ oft gar nicht umgehen.

Jungs (und alle anderen), ich verrate euch jetzt mal ein Geheimnis: Was uns da in Hautpflege-Werbespots, Sportvideos und Vogue „Emily Ratajkowkis Easy 5 Minute Out of Bed Look“ – Videos entgegenstrahlt ist alles andere als naturbelassen. Sowas bedarf viel High Maintenance. Sei es durch Treatments, Facials oder eben MakeUp. Denn das ist das Gefährliche an diesem „Celebrity ohne MakeUp“-Trend: Sie alle haben all access zu den teuersten Behandlungen, Botox, Microblading, Lash Extensions und Lip Fillern. Auch wenn es im ersten Moment lobenswert erscheinen mag, dass sich Beyonce, Kyle Jenner und Co. auch mal „bare faced“ zeigen. 

Prall, frisch und eben sieht ungeschminkte (und unbehandelte) Haut leider oft nur bis Anfang/Mitte 20 aus. Und das ist der Grund, wieso sie so begehrt ist: Sie suggeriert kindliche Jugend. Und wollen wir nicht alle möglichst lange fit, jung und frisch erscheinen? Irgendwann kommen aber unvermeidlich Rötungen, Falten, Hyperpigmentierungen und trockene Stellen hinzu. Erst geht’s nicht mehr ohne Concealer, dann muss die Foundation her. Gegen den fahlen Teint Rouge und Bronzer und am Ende etwas Highlighter, um den jugendlichen Glow zu imitieren. Alles nicht verwerflich. Ich finde Makeup ist eine großartige Erfindung. Sei es nun, um seine Vorzüge zu unterstreichen, Makel zu kaschieren oder einfach Spaß damit zu haben. 

Schwierig wird es für mich jedoch, wenn ein geschminktes Gesicht als normal wahrgenommen wird und ein ungeschminktes als irgendwie falsch. Als blass, krank und müde. Alles Dinge, die ich regelmäßig höre, wenn ich mal ungeschminkt auf der Arbeit erscheine… Und hier lauert schon das nächste Paradoxon. 

Vor Monaten las ich mal von einem Versuch, bei dem Männern zwei Bilder der selben Frau vorgelegt wurden. Auf einem trug sie ein komplettes MakeUp mit allem Pipapo, aber Nude Lips. Auf dem anderen war sie komplett ungeschminkt, trug aber roten Lippenstift. Ratet, welche Frau zu viel MakeUp trug…

MakeUp entscheidet über Führungsqualitäten

Studien zufolge werden Frauen* die MakeUp tragen, von Anderen – Männern* wie Frauen* – als kompetenter, vertrauenswürdiger und sympathischer wahrgenommen als die, die keines tragen. Aber aufgepasst: Wird der Kontrast zwischen Augen und Mund zum Rest des Gesichtes zu groß („Glamour Look“), droht Credibility Verlust. Trägt eine Frau* deutlich sichtbares MakeUp sinkt laut Studie ihre Führungsfähigkeit – zumindest in der Wahrnehmung der Teilnehmer*innen. Geschminkte Frauen* würden unterbewusst als frivol und aufreizend empfunden werden. Nach dem Motto „Die muss sich ja hochgeschlafen haben.“ (Kurz auf den Kalender geschaut. Ja, wir befinden uns noch im Jahr 2019.)

(Ich habe ewig versucht diese Darstellung zu verkleinern. Es gelang mir nicht. Die Welt darf mich ja gerne ungeschminkt sehen. Aber muss das so groß sein? Ja, warum eigentlich nicht.)

echtkathrin no makeup vs no makeup lookechtkathrin no makeup vs no makeup look

Man(n) möchte also am liebsten die eierlegende Wollmilchsau: Gerade so viel MakeUp, dass all die unschönen Dinge wie Augenringe, Falten und rote Flecken nicht mehr zu sehen sind. 

Aber bitte auch nur mit soviel Materialeinsatz, dass die Dame* nicht ZU attraktiv wird. Oder gar Stärke ausstrahlt. Eine „zugekleisterte Frau*“ will schließlich auch niemand. Und außerdem: Wer so aussieht verbringt doch morgens bestimmt eine Stunde und mehr im Bad. Na, die sollte ihre Prioritäten mal anders setzen!

Es ist anscheinend nicht einfach nur MakeUp. In einer Welt, in der Frauen* immer und überall bewertet werden, ist es schon fast ein Politikum. Wer sich sittsam zurechtmacht, kann was. Wer zu viel Farbe aufträgt, ist inkompetent und aufreizend. Und wer sich gar nicht schminkt, ist schwach und achtet wenig auf sich. 

Ich fordere dazu auf, unseren Kompass mal wieder neu auszurichten

Keine Angst, ich breche hier jetzt keine Lanze für den „All Natural Lifestyle“ aus Kokosöl, Apfelessig und unrasierten Beinen. Da gibt es andere, die das besser können. Go for it! Aber ich fordere dazu auf, unseren Kompass mal wieder neu auszurichten. 

Glaubt man den Expert*innen, haben Frauen* sich früher vor allem geschminkt, um Männern* und der Gesellschaft zu gefallen. Dann kamen Emanzipation und Feminismus und Frau* durfte sich endlich auch einfach mal für sich selbst zurecht machen. Was für ein Gewinn!

Und nun? Eine ganze Industrie zielt darauf jede Pore auszumerzen und jede Struktur zu egalisieren. Monatlich werden neue Produkte auf den Markt geworfen, die unsere Gesichter normieren sollen. Es geht immer noch glatter, matter, weicher und strahlender. Und wenn das nicht hilft, wird für Instagram mit FaceTune nachgeholfen. So sehr, dass uns manchmal der Blick dafür verloren geht, was eigentlich normal sein sollte. 

Ich liebe MakeUp und Pflege. Ansonsten würde ich ganz offensichtlich auch dieses Blog nicht schreiben. Manchmal greife ich morgens in die Vollen und trage vom Primer über Foundation bis hin zum Contouring alles auf, was mein Beauty Schrank zu bieten hat. Und sicherlich struggle ich auch ein ums andere Mal, weil man diesen blöden Pickel immer noch sieht und sich der Concealer mal wieder in den Augenfältchen absetzt. An anderen Tagen färbe ich die Brauen etwas, decke die kurzen Stunden der Nacht ab und öffne den Blick mit etwas Mascara. Und manchmal mal tue ich selbst das nicht. Weil ich es kann, nicht weil ich muss.

Die beste Waffe gegen das Altern ist sowieso keine Creme und auch kein Ernährungskonzept, sondern die Akzeptanz dessen, was da ist. Ebenso der Glaube daran, dass auch ein Victoria’s Secret Model morgens um 7 Uhr nicht so aussieht wie auf dem Laufsteg. Und dass das völlig normal ist.

echtkathrin woman without makeup no makeup vs no makeup look

 

Für den „No MakeUp“ Look habe ich übrigens folgende Produkte verwendet. Ganz schön viele für „quasi ungeschminkt“. echtkathrin no makeup makeup

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3 Comments

  • Reply
    Carmen
    9. Januar 2019 at 20:57

    Toll geschrieben! Danke dafür.
    Ich habe erst mit 53 so richtig angefangen mich zu schminken. Davor eben nur Puder und Lippenstift. Macht mir viel Spass, merke jedoch auch, dass ich mich manchmal plötzlich nackt fühle, wenn ich „nichts“ mache. Schräg!

  • Reply
    Petra
    11. Januar 2019 at 15:13

    Frau beachte den Namen der Foundation 😂😂😂 Das alte Lied, alle wollen alle werden, keine/r alt aussehen. Und dass Frauen moderne Frauen heute selbstverständlich berufstätig zu sein (aber bitte nicht karrieregeil), Kinder-Küche-Kirche/Gesellschsftsleben mit links zu Wippen, auf dem Markt einzukaufen, täglich gesund und frisch zu kochen, mindestens 1 Stunde täglich Sport zu machen, gepflegt zu sein (aber auf gar keinen Fall uffjetakelt), Mann und Kinder freudig den Rücken freizuhalten und selbstverständlich nach den verbleibenden 15 Minuten Schlaf pro Nacht gut gelaunt und frisch wie ein Frühlingsmorgen dem Bett zu entsteigen (am besten steht sie 15 Minuten früher auf, dann kann sie schon mal ein bissl die Fassade sanieren).
    Ach ja, ganz ungeschminkt gehe ich sehr selten, denn mit unsichtbaren Wimpern und Augenbrauen fühle ich mich so krank wie ich dann aussehe. Mascara und Brauen etwas auffrischen und ich fühle mich gut, manchmal greife ich aber auch tief in den Tuschkasten, ganz nach Laune.

  • Reply
    Aster
    14. Januar 2019 at 13:20

    Ich liebe deinen Blog. Weiter so. 🙂
    Liebe Grüße

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