So hält dein Parfum länger | 7 Tipps

Haltbarkeit von Düften verlängern
So hält dein Parfum länger

Habt ihr euch auch schon einmal darüber geärgert, dass euer Lieblingsduft schon nach kurzer Zeit kaum noch wahrnehmbar ist? Gleich vorweg: Wie lange ein Duft auf eurer Haut verweilt und von eurer Nase wahrgenommen werden kann, hängt von verschiedenen – und leider auch sehr individuellen – Faktoren ab. Aber es gibt tatsächlich ein paar Tricks, um das Beste aus dem Duft eurer Wahl herauszuholen. Und ich muss gestehen, dass mir einige davon so auch erst nicht bewusst waren. Hört man doch oft gänzlich gegenteiliges. 

Parfum – was ist das eigentlich?

Ein Parfum besteht aus einer Mischung aus Duftstoffen – hauptsächlich – auf Ölbasis und Alkohol. Will man darüber sprechen, „wie lange ein Parfum hält“, muss man zwischen zwei Aspekten unterscheiden: Der tatsächlichen Verweildauer eines Duft auf, beziehungsweise in der Haut und der Wahrnehmung durch das Gehirn.

Wird ein Parfum auf die Haut aufgetragen, verdunstet zuerst der enthaltene Alkohol und die übrig bleibenden Öle ziehen in die obersten Hautschichten ein. Genau genommen vaporisiert ein Duft also nicht auf der Haut, sondern aus der Haut heraus. 

Wie schnell die einzelnen Duftmoleküle dem Alkohol folgen, hängt von ihrem Dampfdruck ab. Je höher dieser ist, desto schneller verdampfen, sprich verflüchtigen die Moleküle sich. Diesen Effekt macht man sich bei der Komposition eines Duftes zu Nutze, um Kopf-, Herz- und Basisnoten herauszuarbeiten. 

Aber auch die Anzahl der Duftmoleküle spielt eine Rolle bei der Wahrnehmung eines Duftes. Hier kommt die Duftstoffkonzentration ins Spiel.

 1. Die Konzentration der Duftstoffe

Schon beim Kauf entscheidet sich oft, wie intensiv ein Parfum später ausfallen wird. Denn Duft ist nicht gleich Duft. Parfums werden in verschiedenen Konzentrationen angeboten. Faustregel: Je mehr Duftstoffanteile enthalten sind, desto langlebiger, aber auch desto teurer ein Parfum. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Doch Obacht: Die Zeiten, in denen das Eau de Parfum einfach nur die konzentriertere Version eines Eau de Toilettes ist, sind lange vorbei. Die einzelnen Formulierungen unterscheiden sich zum Teil signifikant. Es werden bestimmte Noten verstärkt, was den Duft süßer, tiefer oder dunkler macht. Oder es werden sogar völlig neue Nuancen hinzugefügt und so ein komplett anderer Duft kreiert. 

Prinzipiell wird in folgende Kategorien unterschieden:

Extrait de Parfum 20% oder höher 

Parfum 12-20% oder höher

Eau de Parfum 8-15% oder höher

Eau de Toilette 5-8% oder höher

Eau de Cologne 2-5% oder höher

(„Oder höher“ gilt für die jeweiligen „Intense“-Varianten. Die Konzentrationen können zudem je nach Hersteller und Herkunftsland variieren. Quelle: DVRH Deutscher Verband der Riechstoff-Hersteller e.V.)

2. Auf die Basis kommt es an

Wie oben bereits beschrieben, unterscheidet man in Kopf-, Herz- und Basisnoten. Sie alle sind von Anfang an in einem Parfum enthalten, werden aber von den flüchtigeren Nuancen erst einmal überlagert. Einen niedrigen Dampfdruck haben beispielsweise Zitrusnoten. Sie werden daher in Kopfnoten oder Eau de Colognes eingesetzt, wo eine lange Haltbarkeit nicht von Nöten ist. Leider gibt es deshalb auch kaum einen Grapefruit- oder Zitronenduft, der lange durchhält. 

Besonders haltbare Noten hingegen sind beispielsweise Hölzer, Balsame und Harze, Gewürze wie Tonka und Vanille, Moschus und Patchouli. Dieses wird auch gerne als Fixateur eingesetzt, um die Haltbarkeit flüchtigerer Noten zu verlängern. Mit ein Grund, wieso dieser Duftstoff – zum Leidwesen mancher – so häufig eingesetzt wird. Wer einen intensiven Duft möchte, sollte also zu einem Parfum auf der Basis einer dieser Nuancen setzen.

3. Deine Haut

Wer kennt es nicht? Da riecht man DEN Duft seiner Träume an der BFF und stellt dann ernüchtert fest, dass er an einem selbst so ganz anderes duftet. 

Oft hört man dann: „Das liegt an der Hautchemie. Der ph-Wert jeder Haut ist anders.“
Tatsächlich ist es so, dass der ph-Wert der Haut keine wirklich große Rolle spielt. Für die meisten Duftstoffe ist es ziemlich irrelevant, ob sie sich in einem eher sauren oder eher basischen Milieu befinden. Was auch Sinn macht, denn die Parfumeur:innen haben ja ein bestimmtes Konzept im Kopf. Da wäre es kontraproduktiv, wenn sich ein Duft an einzelnen Menschen völlig unterschiedlich entwickeln würde. 

Auch ob eine Haut trocken oder fettig ist, spielt für die Wirkung eines Duftes eine eher untergeordnete Rolle. Liegt auf der Haut ein Öl- oder Schweißfilm, kann jedoch die Haltbarkeit beinträchtig werden, da die Duftstoffe Probleme haben diese Barriere zu überwinden und in die Haut einzudringen. 

Häufig liest man, man solle vor dem Parfümieren eine Creme oder Bodylotion auftragen, um die Haltbarkeit eines Duftes zu verlängern, da trockene Haut angeblich mehr Duft „schlucken“ würde. Noch effizierter wäre es jedoch, sich erst zu Parfümieren und danach – quasi wie zur Vermeidung des transdermalen Feuchtigkeitsverlustes in der Hautpflege – eine okklusive Schicht aufzutragen. Ein Versuch ist es wert, oder?

So hält dein Parfum länger

4. Die Temperatur 

Vielleicht habt ihr es auch schon bemerkt: Ein und derselbe Duft kann zu unterschiedlichen Jahreszeiten anders riechen. Das hängt zum einen mit unseren persönlichen Erfahrungen zusammen. Einige Düfte passen unserer Meinung nach einer besser in die „festliche“ Jahreszeit.

Aber auch Wetter und Temperatur spielen eine große Rolle. Denn mit der Temperatur steigt der Dampfdruck der Moleküle. Der Duft breitet sich also schneller aus, beziehungsweise entwickelt er sich schneller. Ob ihr den Duft nun auf das Handgelenk – und somit einen „Pulspunkt“ – oder auf die linke Pobacke sprüht, ändert nichts am Duft als solchen. An Stellen mit höherer Hauttemperatur springt ihr jedoch schneller durch die Duftpyramide. 

Darum riecht Parfum auf Papier anders als auf Haut

Die Temperatur ist auch einer der Gründe, wieso Düfte auf Papier so anders riechen, als auf der Haut. Wenig flüchtige Noten wie Moschus brauchen eine bestimmte Temperatur (ca. 25 Grad+), um sich zu entwickeln. Daher ist die Duftbasis auf einem Papierstreifen kaum wahrzunehmen. Einzig Vanille bildet hier eine Ausnahme und ist schon von Beginn an sehr präsent. 

Anscheinend versuchen Parfumeur:innen die Crux mit den Teststreifen dahingehend auszugleichen, als dass Düfte heutzutage immer moschuslastiger werden. Frei nach dem Motto „Viel hilft viel“. Und auch die Entwicklung hin zu immer mehr Unisexdüften kommt dem sicherlich zu Gute, denn diese enthalten von Haus aus häufig mehr Moschus, Hölzer und Co..

Fun Fact: Im Netz stieß ich auf den Tipp, auf eine ausreichenden Flüssigkeitszufuhr zu achten. Das ist ja nie verkehrt, soll aber unter anderem auch für eine konstante Körpertemperatur und somit eine bessere Duftentwicklung sorgen. Keine Ahnung, ob da was dran ist. Aber schaden kann es nicht. 

5. Dein Gehirn oder „Und wieso riecht der Duft an mir nun so anders?“ 

Aber warum riecht ein Parfum an meinem Gegenüber nun so anders als an mir? 

Dass wir einen Duft an uns anders wahrnehmen als an anderen Menschen, liegt an unserem Gehirn. Unser Dufteindruck wird maßgeblich von unserer Dufterfahrung beeinflusst. Wir verknüpfen Düfte mit Personen, Situationen und Gefühlen. Nur weil auf der Produktseite steht „Riecht nach Sommer“, muss das noch lange nicht heißen, dass wir das genauso sehen. Denn wie riecht schon „Sommer“? Wohl für jeden etwas anders. 

Eine weitere Rolle spielt dabei die Tatsache, dass wir den Duft nicht selber tragen, sondern an einer anderen Person wahrnehmen. Ein Beispiel: Wenn ich einen Duft wie Chanel No. 5 auflege, bekomme ich selbst die volle Dröhnung ab. Ich habe den Duft 24/7 in der Nase und nehme ihn sehr präsent wahr. Das kann schon mal „zu viel“, „zu schwer“, „zu süß“ werden. Wenn ich jedoch einer Person im Café gegenübersitze (Good old times…), weht nur ab und an ein Hauch zu mir herüber. „Was für ein eleganter Duft.“ Dass der Kaffee gut duftet und der Kuchen schmeckt, dürfte sein übriges zur positiven Verknüpfung beitragen. 

Bei allen Menschen mit Zyklus kommt außerdem hinzu, dass sich auch hier der Eindruck eines Duftes im Laufe des Monats ändern kann. Hier verändert sich ebenso der Duft als solches nicht, sondern die Wahrnehmung durch unsere Nase, beziehungsweise unser Hirn. Kurz nach der Periode nimmt unser Riechzentrum – durch den steigenden Östrogenspiegel – feinere Düfte intensiver wahr. Direkt vor dem Eisprung reagieren wir besonders stark auf süße Düfte.

„Nose Blindness“

Und woran liegt es jetzt nun, dass wir Düfte plötzlich irgendwann selbst nicht mehr wahrnehmen und glauben, dass sie längst verflogen sind? Auch wenn unser Gegenüber vielleicht schon nahe dem Erstickungstod ist. Im Englischen gibt es dafür den schönen Begriff „Nose Blindness“ – Nasenblindheit

Auch hier trickst uns das Hirn ganz schön aus. Denn einer der wichtigsten Gründe, wieso wir Menschen riechen können, ist das Erkennen von Gefahren. Unsere Nase ist ein Alarmsystem für Feuer, fauliges Essen, Gas, Verwesung, you name it.

Je öfter wir einen Duft wahrnehmen und unser Gehirn dabei feststellt, dass wir keiner Gefahr ausgesetzt sind, desto eher landet dieser Duft in der Schublade „Entspann‘ dich. Nix los. Kannste ausblenden.“ Das ist – vereinfacht gesagt – der Grund, wieso Menschen mit nur einem Signature Duft häufig dazu neigen die Potenz ihres Parfum zu unterschätzen und zum „Oversprayen“ neigen. Wer hier Abwechslung schafft, schult die Nase und hält das Hirn auf Trab. 

Die Haltbarkeit ist in vielen Fällen also gar nicht so kurz, wie wir manchmal denken. 

6. Parfum richtig auftragen

Es kursieren viele Meinungen darüber, wo und wie man Parfum am besten auftragen sollte. Wichtiger ist es in meinen Augen aber darüber zu sprechen, wo und wie man es am besten NICHT tun sollte. 

Viele schwören darauf, ihren Duft auf die Haare zu sprühen, da er dort länger hält. Das ist tatsächlich korrekt. Allerdings besteht ein Parfum, wie wir oben gesehen haben, zu einem Großteil aus Alkohol. Dieser trocknet auf Dauer die Haare aus und kann in Kombination mit Sonneneinstrahlung auch zum Ausbleichen der Haarfarbe führen. Auch auf Kleidung hält Parfum häufig deutlich länger als auf der Haut. Hier riskiert man allerdings Flecken auf dem Stoff, vor allem, weil Düfte heute auch gerne mal eingefärbt werden. Ebenso wird vom Sprühen auf den vorderen Hals abgeraten, da der im Duft enthaltene Alkohol hier die Hautalterung und somit die Faltenbildung begünstigen soll. 

Meine Lieblingsstellen für das Auftragen von Parfum sind hinter den Ohren, im Nacken und in den Ellenbeugen, so diese denn freiliegen. Denn dann schwingt beim Gestikulieren immer ein wenig Duft mit.

Bei kurzen Röcken oder Kleidern bieten sich auch die Kniekehlen an. Hin und wieder sprühe ich auch zwischen die Brüste, allerdings steigt der Duft dann natürlich konstant in die Nase, was wiederum dazu führen kann, dass er schneller nicht mehr wahrgenommen wird. Hier muss man etwas experimentieren. 

Wer etwas Duft auf Haar und Kleidung bringen möchte, ohne Flecken zu riskieren, kann auch eine Wolke in die Luft sprühen und hindurchgehen. Das sorgt für eine gleichmäßige Parfum-Bubble. 

7. „Overspraying“ – Ja oder Nein?

Viele Menschen haben Angst, zu viel aufzulegen und andere Menschen mit ihrer Duftwolke zu belästigen.

Interessanterweise ist es aber in der Tat so, dass es in der Realität genau andersherum aussieht: Die meisten Menschen neigen statistisch dazu, zu wenig aufzutragen. Zumindest, wenn es darum geht, dass auch andere den Duft wahrnehmen sollen. Denn das ist die Voraussetzung dafür, für einen Duft Komplimente zu bekommen, was für viele ein Gradmesser ist. 

Im Klartext: Die Wahrscheinlichkeit aufgrund eines Duftes positiv aufzufallen, steigt mit der aufgesprühten Menge. Ab einem gewissen Punkt aber auch die, negativ aufzufallen. Der Grat ist schmal. 

Aus Erfahrung kann ich aber sagen: Traut euch. Zumindest WENN ihr wahrgenommen werden möchtet. Und das ganz unabhängig von den aktuell getragenen Masken. Seitdem ich mich – zumindest etwas – über meine gewohnten 1-2 Sprühstöße hinweg traue, werde ich deutlich häufiger – positiv – auf Düfte angesprochen. Was sicherlich nicht nur an der Wahl des Duftes liegt, sondern einfach an der Tatsache, dass auch andere ihn riechen können. 

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Kopfnoten zwar erstmal recht laut und präsent sind, ein Duft in seiner Entwicklung jedoch häufig schnell „hautnah“ und auch weicher wird. Wir dürfen uns vom ersten Eindruck nicht täuschen lassen. Im Zweifelsfall rate ich dazu, den Duft nicht unmittelbar vor dem Verlassen des Hauses aufzusprühen, sondern mindestens eine halbe Stunde vorher. So ist genug Zeit, die Entwicklung zu beobachten und gegebenenfalls noch einmal nachzulegen. 

Ansonsten bleibt nur, den Flakon (oder eine Abfüllung) mitzunehmen und im Laufe des Tages erneut zu Sprühen. Ich für meinen Teil komme aber meist nicht dazu. 

FAZIT

So hält dein Parfum länger:

  • Wähle die für dich passende Duftkonzentration. Je höher, desto intensiver.
  • Achte auf haltbare Basisnoten.
  • Probiere deinen Duft in Kombination mit einer Bodylotion aus.
  • Wechsele hin und wieder deinen Duft, um ihn besser wahrnehmen zu können.
  • Trage dein Parfum strategisch auf. 
  • Moderates „Overspraying“ wirkt manchmal Wunder.

Tipps, wie du den richtigen Duft für dich findest, habe ich übrigens  hier zusammengefasst. 

 

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5 Comments

  • Reply
    Melissa
    11. April 2021 at 14:41

    Sehr informativer Beitrag, vielen Dank. Ich trage gerne Parfüm, habe allerdings eine Duftstoffallergie. Mit Ausnahme vom Biotherm L’Eau vertrag ich nix länger als ein paar Stunden. Je intensiver der Duft, desto schneller die Reaktion meiner Haut. Daher bevorzuge ich den Gang durch die Parfümwolke und die Haare. Letztere sind erfreulich unempfindlich bei mir.

  • Reply
    Marion
    11. April 2021 at 15:32

    Danke für diesen spannenden Beitrag. Ich gehöre ja zu der Fraktion, die immer Angst hat, dass mein aufgelegter Duft zu aufdringlich ist, auch wenn mir das noch nie jemand gesagt hat. Es liegt wohl vor allem daran, dass ich mich häufig von anderen Parfumtechnisch belästigt fühle. Es gibt so ein paar Kolleg:innen, deren (noch dazu unangenehmer) Duft noch 10 Minuten, nachdem sie mein Büro verlassen haben, in der Luft liegt.
    Ich sprühe mir den Duft auch immer hinter die Ohren, der Tipp mit den Armbeugen klingt aber auch sinnvoll – werde ich ausprobieren!

  • Reply
    Maria
    23. Juli 2021 at 12:51

    Danke für die ganzen Tipps. Eine Frage hätte ich noch, und zwar, ob das Sprühen von der Intensität nicht abhängt? Ein sehr intensives Parfüm, wenn man sich komplett sprühen lässt, ist bestimmt nicht os gut, weil es dann für anderen zu Übel sein könnte. Ich gehe da Vorsichtiger um, mit mein Parfum (https://parfumgroup.de/bvlgari-omnia-coral-eau-de-toilette), und sprühe es halt in den Haaren und hinter den Ohren.

  • Reply
    Paola
    18. Oktober 2021 at 15:09

    Danke für den Beitrag! Ich bin noch nie auf die Idee gekommen die Armbeugen zu parfümieren. Da ich sehr gerne gestikuliere gefällt mir die Idee sehr, ich werde es ausprobieren.

    • Reply
      Kathrin
      19. Oktober 2021 at 07:57

      Das freut mich sehr. 😊

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