6 Tipps, wie du den richtigen Duft findest

So findest du das richtige Parfum für dich

Werbung, weil Marken erkennbar

Mittlerweile teile ich ja regelmäßig meine langjährige Liebe zu Parfums mit euch. Vor allem auf Instagram bekomme ich daraufhin oft Nachrichten von Menschen die gerne weiter in die Welt der Düfte eintauchen würden, aber nicht wissen wo sie anfangen sollen. Die mich fragen, woher man wisse, ob ein Duft zu einem passen würde oder nicht.  Sie seien zwar auf der Suche, aber gerade ziemlich überfordert. 

Heute möchte ich also meine Tipps und Erfahrungen mit euch teilen, die euch dabei helfen können den richtigen Duft für euch zu finden. Vergesst dabei nicht: Nichts ist in Stein gemeißelt und erlaubt ist was gefällt.

WIE FINDE ICH DEN RICHTIGEN DUFT FÜR MICH?

 

1. BRINGE DEINE NASE IN SCHWUNG

Wer glaubt eine Rose ist eine Rose ist eine Rose, hat seine Nase bisher wahrscheinlich unterfordert. 

Während ein ungeschulter Mensch in der Regel nach 5 Düften nur noch einen blumigen Einheitsbrei riecht, kann ein*e geschulte*r Parfumeur*in ein Vielfaches davon differenziert wahrnehmen. Und das ist weniger angeborene Superpower, als vor allem viel Training. Und Interesse an der Materie.

Unser Geruchszentrum im Hirn ist nämlich lernfähig und wird umso leistungsstärker je öfter es gefüttert wird. Neue Reize werden abgespeichert, mit alten verknüpft und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgerufen. Für den Reset zwischendurch stehen in Parfümerien Schälchen mit Kaffeebohnen bereit. Sie sollen neutralisierend wirken und schaffen Platz für neue Eindrücke. 

Wenn dir ein Duft gefällt schaue im Internet nach seiner Zusammensetzung. Wahrscheinlich gibt es Nuancen, die du sofort erkennst. Und solche, die dir erst nach dem Lesen auffallen. Oder aber gar nicht. Auch das ist völlig normal. Jedes Hirn nimmt Düfte anders war. Und ähnlich wie bei Rotwein („Schokolade? Ernsthaft!?“) kann es sein, dass die Pflaume in der Beschreibung bei dir einfach nicht durchkommt. Oder du etwas wahrnimmst, was laut Zusammensetzung gar nicht enthalten sein soll. 

Irgendwann bist du dann Profi im Erkennen von weißem Moschus und grüner Rose.

 

2. PROBIEREN UND STUDIEREN

Auch wenn am Ende nur zählt, dass dir ein Duft gefällt: Manchmal kann es hilfreich sein zu lesen was andere über ihn denken.

Denn auch wenn Düfte etwas sehr Individuelles sind wird es immer Menschen geben, die ähnlich ticken wie du. Ihre Erfahrungen können bei einer Vorauswahl sehr hilfreich sein. Und auch dabei, deine eigene Wahrnehmung einzuordnen. 

Das „Tückische“ an Düften ist nämlich, dass sie erst unser Emotionszentrum passieren bevor sie in unserem Sprachzentrum ankommen. Das ist der Grund wieso uns oft die Worte fehlen, um einen Duft zu beschreiben. Wir aber sofort wissen, ob wir ihn mögen oder nicht. 

Ich werde immer wieder gefragt, wie ich es schaffe Parfums möglichst detailliert und nachvollziehbar zu charakterisieren. Meine Antwort ist dann immer: „Erweitere deinen Horizont.“ 

Wann immer ich einen neuen Duft unter der Nase habe öffne ich fragrantica.com, recherchiere Duftnoten und schaue nach, was andere Leute über ihn zu sagen haben.

Bestätigt sich mein Eindruck?
Was ist das für eine Note, die ich da wahrnehme und nicht benennen kann?
An welchen Duft erinnert der mich?!“  

Irgendjemand hat immer eine Antwort parat. Meist ohne, dass ich die Frage gestellt habe.

Solltest du jemand sein, die*der mehr als eine Handvoll Düfte besitzt, hilft es dir eventuell deine Eindrücke aufzuschreiben und ein kleines Dufttagebuch zu führen. So kannst später darauf zurückgreifen und nachlesen was du von welchem Duft gehalten hast. Gerade in einer Testphase, in der du mit vielen Samples hantierst, kann das eine gute Gedächtnisstütze sein.

 

3. BESORGE DIR PROBEN

Oftmals reicht der eine Sprühstoß aufs Handgelenk nicht aus, um beurteilen zu können, ob wir den richtigen Duft gefunden haben oder nicht. Gerade im Nischenduft-Segment besteht darüber hinaus oftmals nicht die Möglichkeit ein Parfum vorab im Laden zu testen. Da macht es Sinn sich um eine Probe zu bemühen. 

Leider ist das mittlerweile nicht mehr so einfach. 2013 trat ein EU-Gesetz in Kraft welches Hersteller dazu verpflichtet genau zu deklarieren was in ihren Parfums enthalten ist. Es wurde zudem verfügt, dass diese und einige weitere Infos (z.B. Herstellungsland, Haltbarkeitsdatum, Volumen- und Gewichtsangaben) auf/an der Verpackung der Abfüllung den Verbraucher*innen zugänglich gemacht werden müssen. 

Das war der Zeitpunkt, als es in großen Parfümerien wie Douglas plötzlich nicht mehr möglich war sich einen Duft zum Testen abfüllen zu lassen. Seitdem gibt bei einem Einkauf nur noch speziell dafür herstellte Phiolen mit Pappkarte auf der all diese Infos notiert sind.

Für uns Kund*innen bedeutet dies, dass selten eine Probe genau des Duftes vorhanden ist, den wir testen möchten. Fast immer werden Proben für Düfte verteilt, die gerade beworben werden sollen. Ich bekomme beispielsweise seit Wochen nur Samples für männlich deklarierte Düfte. Alle anderen scheinen nach Black Friday und Weihnachten komplett geräubert zu sein…

Eine Ausnahme bilden hier Nischenduft-Online Shops wie Aus Liebe zum Duft und Essenza Nobile. Sie umgehen in der Regel die Deklarationspflicht auf der Verpackung, indem sie ihren Bestellungen ein Schreiben beilegen, welches auf mögliche Allergien aufmerksam macht und darauf hinweist, dass alle relevanten Informationen jederzeit online angefordert werden können. Auf den Phiolen – die von Hand abgefüllt werden – steht dann lediglich der Name des Duftes und das Datum der Abfüllung. 

Für diesen Service zahlt man allerdings zwischen 4 und 10 Euro pro Probe, je nach Preis der Fullsize. 

 

4. VERABSCHIEDE DICH VON ALTEN REGELN UND WEISHEITEN

Wahrscheinlich hat jeder von uns schon mal einen dieser Sätze gehört:

„Orientalische, schwere Düfte sind nur was für dunkelhaarige Frauen.“
„Blondinen können besonders gut frische, leichte Düfte tragen.“
„Für den Duft bin ich 20 Jahre zu jung.“ 

All das streichst du am besten gleich aus deinem Gedächtnis. Erlaubt ist, was gefällt. Alte Konventionen können wir mittlerweile getrost über Bord werfen. Ebenso die Idee von Düften für „Frauen“ und für „Männer“. 

Wichtig ist in meinen Augen, dass die Person den Duft trägt und nicht der Duft die Person. Innere Haltung sind so viel wichtiger als Alter oder Aussehen.

Dass man über einige Düfte sagt, dass sie eher für Jugendliche und junge Erwachsene geeignet sind liegt in meinen Augen daran, dass die Nase im Laufe des Lebens anspruchsvoller/erfahrener wird. Und man sich als erwachsener Mensch mit festem Einkommen höherpreisigere Düfte einfach eher leisten kann/will. Das soll aber niemanden davon abhalten auch mit Ende 40 noch zu Lieblingen aus der Jugend zu greifen, wenn einem danach ist. 

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5. GÜNSTIGE DUPES KÖNNEN EINE ALTERNATIVE SEIN, ABER…

Gutes wird kopiert. Mal besser, mal schlechter. Mal offensichtlich, mal ganz subtil. 

In der Drogerie finden sich einige Marken, die die DNS eines erfolgreichen, höherpreisigen Duftes versuchen zu kopieren. Nicht immer gelingt dies, aber manchmal kommen sie schon sehr nah ran an das Original. Das kann für alle, die den Preis hierfür nicht bezahlen können oder wollen, eine echte Alternative sein. Vorab gibt es jedoch einiges zu bedenken.

Die im Laden erhältlichen Dupes einschlägiger Marken können alle bedenkenlos verwendet werden. Sie entsprechen europäischen Standards und dürften über das allgemeine Allergierisiko bei Düften hinaus keinen Schaden anrichten.
(Anders sieht es da bei Käufen über Amazon aus. Hier werden oft billigste, zum Teil gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe verwendet. Ich rate dringend davon ob Düfte – vor allem vermeintliche Originale – über Amazon zu kaufen. Besonders wenn euch der Händler nicht bekannt ist und der Preis sehr niedrig erscheint.)

Zuerst einmal sollte man sich aber fragen, ob man solche Copy Cats unterstützen möchte. Sie zweigen sich etwas ab vom Ruhm anderer, ohne den gleichen Aufwand und die gleichen Kosten zu haben. Und sie stehlen geistiges Eigentum. Denn hinter jedem Duft steckt ein*e geschulte Parfümeur*in, der*die ihn sich erdacht hat. 

Dann gilt es zu bedenken, dass die günstigen Dupes immer in irgendeiner Weise vom Original abweichen müssen. Manchmal ist es eine bestimmte Note aus dem Original, die nur kurz oder gar nicht durchkommt. Manchmal ist der Duft ein Hauch fruchtiger oder süßer. Der Duft muss sich unterscheiden, um nicht als Plagiat angesehen und verboten zu werden. 

Der größte Unterschied liegt aber in der Haltbarkeit. Parfümöle und Duftstoffe sind mit die teuerste Ingrediens in einem Produkt. Wer kostengünstig produzieren möchte, wird hier natürlich sparen. Die Konzentration der Duftstoffe ist in den preiswerteren Dupes immer niedriger als im Original. Der Duft wirkt oft „verdünnt“. Wo sonst zwei Sprüher für den ganzen Tag reichen, muss hier eventuell zwei- bis dreimal nachgelegt werden. Oder öfter. 

Ich würde immer dazu raten, zumindest mal am Original zu schnuppern. Wenn euch die Performance des Dupes dann immer noch ausreicht, ist der Kauf eines solchen vielleicht eine Überlegung wert. 

Im Übrigen lohnt es sich auch in der Parfümerie die Fühler auszustrecken. Auch Parfums unterliegen Trends. So waren in den letzten Jahren unter anderem Patchouli, Kaffeenoten und Lavendel sehr beliebt. Erfolgreiche Duft-DNS findet sich mittlerweile in vielen Mid Range- und High End-Düften. Manchmal gleichen sich Düfte bis auf einige wenige Noten aufs Haar.

Ein Beispiel: Vor kurzem testete ich einen Duft (über 200 Euro), den ich initial gar nicht unbedingt mochte. Irgendwas an ihm hat mir absolut nicht gefallen. Aber die DNS ließ mich nicht los. Je öfter ich an ihm schnupperte, desto besser gefiel er mir. Kurz darauf stieß ich auf einen anderen Duft (70 Euro) der haargenau so roch, abzüglich dieser einen Note, die ich im „Original“ nicht mochte. Für Ungeschulte sind beide Düfte höchstwahrscheinlich nahezu identisch. 

 

6. SETZE DICH NICHT UNTER DRUCK

Vielleicht braucht es gar nicht DEN richtigen Duft. Es gibt Tage, da fühle ich mich einem schweren Kaliber nicht gewachsen. Möchte mich mit etwas Frischem, Leichtem umgeben. Meine Duftauswahl ist sehr stark von meiner Laune und meinem Kopfkino abhängig. Davon, welche Stimmung ich kreieren will.

Die Idee einen „Signature Scent“ zu besitzen – diesen einen Duft an dem man mich sofort erkennt – habe ich schon lange über Bord geworfen. Dafür bin ich zu vielschichtig, zu launisch und zu interessiert an unterschiedlichen Duftnoten. 

Wir tragen doch auch nicht jeden Tag die gleichen Kleidungsstücke oder essen die gleichen Dinge. Da wäre es für mich komisch jeden Tag gleich zu riechen. Auch wenn es Düfte gibt, die ich immer wieder und auch über eine längere Zeit verwende.

Ich liebe die Welt der Duft. Sie ist weit, abenteuerlich und sehr sinnlich. Ich liebe es in sie hineinzutauchen und mich stundenlang durch die Regale zu schnuppern. In meinem nächsten Leben werde ich wohl Parfumeriefachverkäuferin.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob es den richtigen Duft für mich gibt. Für mich gibt es den richtigen Duft für eine Situation, eine Laune oder einen Ort. Es gibt Düfte, die ich jetzt – in diesem Moment – gerne rieche. Morgen kann das ein ganz anderer sein.

Am Ende muss es Spaß machen. Und vielleicht helfen euch meine Tipps dabei, für EUCH den richtigen Duft zu finden. 

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1 Comment

  • Reply
    Marion
    20. Februar 2020 at 11:51

    Ein sehr informativer und anregender Artikel. Vielen Dank, liebe Kathrin! Das motiviert, sich tatsächlich mal tiefgreifender mit der Duftwelt auseinanderzusetzen.

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